Brno2024
Vorbereitung
Durch einen Zufall fand ich ein Seitenteil im richtigen Farbcode.
Die verbogene Fußrastenanlage wanderte in die Ersatzteilkiste – zugunsten einer Bonamici-Rastenanlage.
Die hatte gleich mehrere Vorteile gegenüber dem Serienteil:
- Sie kostet nur etwa die Hälfte des Originals.
- Das Schaltschema lässt sich umkehren.
- Die Position der Rasten ist verstellbar und damit an den Fahrer anpassbar.
- Und im Falle eines Sturzes können einzelne Teile separat ersetzt werden.
Einziger Nachteil:
Es gibt kein Teilegutachten. Auf der Straße ist sie damit nicht unbedingt gern gesehen.
Auch ein Bremshebelschutz fand seinen Weg an das Motorrad.
Außerdem hatte ich noch einen neuen Satz Pirelli Supercorsa SC III beschafft, den wollte ich dann in Brno montieren lassen.
Derart vorbereitet stand drei Tagen Brünn eigentlich nichts mehr im Weg.
Dachte ich.
Bis ich ungefragt die Unzulänglichkeiten französischer Ingenieurskunst kennenlernen musste.
Der Trafic streikte.
Der Trafic warf den Notlauf an.
Vmax 30 km/h.
Leistung: praktisch keine.
Die Einzelheiten erspare ich an dieser Stelle.
Da wir keine Firma fanden, die einen Transporter vermietete und Fahrten in die Tschechische Republik erlaubte, räumten wir kurzerhand den eigentlich zum Camping ausgebauten Bus meines Vaters leer und luden alles um.
Einen Vorteil hatte das Ganze allerdings:
Brünn liegt ein gutes Stück weiter entfernt als Most. Sollte mir dort etwas passieren, würde zumindest mein gesamtes Gerümpel den Weg nach Hause finden.
Eine Sorge weniger.
So machten wir uns am 25.08.2024 auf zu der ehemaligen MotoGP - Strecke.
25.08.2024 Anreise
Das Automotodrom Brno, auch Masaryk-Ring genannt, liegt rund 200 Kilometer südöstlich von Prag und war von 1993 bis 2020 Austragungsort des Großen Preises von Tschechien. Zeitweise gastierte hier auch die Superbike-WM.
Die 5,403 Kilometer lange Strecke unterscheidet sich fundamental von Most. Sie wirkt nicht nur deutlich breiter, sondern geht nahezu permanent bergauf oder bergab.
Das Layout ist extrem flüssig und vergleichsweise schnell.
Dass die MotoGP hier nicht mehr fährt, lag im Wesentlichen am Asphalt. Viele Wellen, wenig Grip – zumindest aus Sicht der Jungs mit den Prototypen.
Als wir an der Zufahrt zum Fahrerlager ankamen, hatte sich bereits eine Schlange gebildet. Der Geräuschkulisse nach waren noch Autos auf der Strecke unterwegs.
Bei der Anmeldung dann die erste Überraschung.
Meine Referenzzeit von 2:07 in Most sollte für die Gruppe C in Brno reichen.
Ich war eigentlich von Gruppe D ausgegangen – schließlich war ich zum ersten Mal hier.
Das Sonderbriefing für Einsteiger am gleichen Abend nahm ich trotzdem mit. Wissen hat noch niemandem geschadet. Und ich rechnete fest damit, früher oder später doch noch in Gruppe D zu landen.
Es gibt gewisse Unterschiede zwischen den Veranstaltern.
Dieses Mal gab es beispielsweise eine technische Abnahme.
Allerdings nicht – wie man es vielleicht erwarten würde – in der Nähe der Anmeldung, sondern direkt am Stellplatz beziehungsweise an der Box, sofern man eine hatte.
Man musste sich also um nichts kümmern.
Motorrad so hinstellen, dass man von allen Seiten drankommt, anwesend sein – fertig.
26.08.2024 Tag 1
Zwar war die Strecke auch dieses Mal noch leicht feucht.
So wie es bei Gruppe D aussah, allerdings fahrbar.
Gemäß des Tipps von Herrn Fuchs ordnete ich mich so ein, dass ich als einer der Letzten auf die Strecke fuhr.
Ich hatte mir zwar das ein oder andere Onboard-Video angesehen, ging aber trotzdem davon aus, dass ich etwas Zeit brauchen würde, um mich auf der Strecke zurechtzufinden.
Völlig falsch konnte meine Einschätzung also nicht gewesen sein.
Überholt habe ich niemanden.
Gesehen habe ich ohnehin nur selten jemanden – und wenn, dann meist nur kurz, bevor ich selbst überholt wurde.
Nach zwei Kurven waren die anderen so weit weg, dass ich mir in Sachen Linie nichts abschauen konnte.
Das Resultat nach Turn 1?
2:55,7 – und viele Fragezeichen.
So eindeutig wie in den Onboard-Videos war das alles dann doch nicht.
Und wie groß die Steigungen tatsächlich sind, bringt keine Kamera dieser Welt wirklich rüber.

Wie in Most festgestellt hatte ich mir bei dem versuch mit Semi Slicks im Nassen zu fahren, den Halter der Fußraste rechts verbogen. Der Halter samt Raste sollte original, bei Honda um die 500€ kosten. Für ein paar Euro mehr gab es eine komplette Rastenanlage von Bonamici insklusive GP-shift.
Das ganze hatte zwei Vorteile. Ersten ist die Anlage einstellbar. Man kann die Position der Rasten also verändern und so an den Fahrer anpassen. Zweitens GP-Shift.
Falls dir das kein Begriff ist: GP-Shift auf deutsch heißt Umkehrschaltung und macht im Prinzip genau das. Das Schaltschema umkehren. Das normale Shema lautet ja bekannter Maßen 1. Gang unten dann Neutral und die Gänge 2 bis 5 o. 6 obendrüber. Und warum will man das ganze nun umdrehen? Zum Hochschalten mit dem normalen Schema muss der Fuß unter den Schalthebel. Das kann auf der Rennstrecke, in Langgezogenen Kurven problematisch werden. Ab bestimmten schräglagen hat man dafür einfach keinen Platz mehr und kommt mit dem Fuß auf den Boden. Ist mir auch schon passiert. Bestenfalls erschrickt man sich nur, und versaut sich damit selber die runde. Das kann allerdings auch schmerzhaft enden. Deshalb kam man im Gran Prix (kurz GP) irgendwann auf den Trichter das ganze umzudrehen. Dann muss man nur noch auf den Hebel drauf treten um Hochzuschalten. Besser für die Füße und mann muss nicht wegen einer Kurve die Übersetzungsverhältnisse im Getriebe überarbeiten um an der Stelle nicht schalten zu müssen.
Von dem ersten Vorteil, also das ändern der Rastenposition machte ich dann vor dem dritten Turn gebrauch.

In Brno begannen wir auch damit, aktiv Reifendrücke und -temperaturen mitzuschreiben.
Wirklich belastbare Aussagen konnte ich daraus zunächst nicht ableiten.
Aber selbst mir war klar, dass 40 Grad nach einem Turn auf der Rennstrecke eher wenig sind.
Im zweiten Turn kam ich etwas besser zurecht.
Ich fühlte mich wohler.
Insgesamt ließ sich Brno erstaunlich flüssig fahren.
Lediglich mit Kurve 1 und Kurve 10 hatte ich noch größere Probleme.
Der Rest beschränkte sich – zumindest meinem Gefühl nach – auf die richtige Gangwahl und die passenden Bremspunkte.
Rundenzeit nach dem 2. Turn: 2:46.7.
