Most I 2024

Anreise 16.05.2024

Diesmal konnte ich das Motorrad bereits im Vorfeld gezielt für die Rennstrecke umbauen.
Im Wesentlichen bedeutete das: Spiegel und Kennzeichen abbauen, Beleuchtung abkleben.
Ich hatte erneut beim gleichen Anbieter gebucht wie im Jahr zuvor, diesmal allerdings für drei Tage. Zusätzlich mit Rennen an Tag 1 und 3. Vorausgesetzt natürlich, ich würde mich unter den Top 40 der 600er-Klasse qualifizieren. Am zweiten Tag hätte es außerdem ein zweistündiges Endurance-Rennen gegeben, darauf verzichtete ich bewusst.

Wie gewohnt gab es keine technische Abnahme.

Nach dem Aufbau – mittlerweile sogar mit einem kleinen 3×3-Meter-Pavillon – blieb nicht mehr allzu viel zu tun.
Ich verbrachte den Abend damit, mir verschiedene Onboard-Aufnahmen von Fahrern anzuschauen, die deutlich schnellere Rundenzeiten als ich gefahren waren, und ließ den Tag ruhig ausklingen.

17.05.2024 Qualifying 

Und Regen.
Genauer gesagt: Es hatte fast die ganze Nacht durchgeregnet.

Man wollte zunächst an der Gruppeneinteilung festhalten – es sollte ja abtrocknen. Regenreifen hatte natürlich niemand montiert. Da bei diesem Veranstalter traditionell die schnelleren Gruppen zuerst fahren, hielt sich der Betrieb entsprechend in Grenzen.

Nachdem der erste Turn um 9:20 Uhr vorbei war und niemand gefahren war, wurde schließlich freies Fahren ausgerufen.
Free for all. Jeder darf jederzeit auf die Strecke – unabhängig vom Tempo. Zwar wird weiterhin alle 20 Minuten abgewunken, man kann danach aber einfach bis zum Ende der Boxengasse fahren, sich wieder anstellen und erneut rausfahren.

Ich fuhr ebenfalls raus.
Straßenreifen müssen bei Nässe funktionieren, und auf der Rennstrecke hat man in der Regel mehr Grip als auf der Landstraße. Sollte also gehen.

Ich wollte mich rantasten.

Schon ab der ersten Kurve hatte ich kein gutes Gefühl.
Kein Feedback von der Front. Das Gefühl, als würde ich auf Eis fahren. Und keinerlei Referenz für die Schräglage.

Rückblickend hätte ich nach der ersten Runde wieder ins Fahrerlager fahren sollen.
Hätte.

Ich ließ mich davon täuschen, dass der Streckenabschnitt hinter dem Fahrerlager deutlich trockener wirkte als die ersten beiden Sektoren, und fuhr noch eine weitere Runde. Bis Kurve 13.

Für alle, die noch nicht in Most waren:
Kurve 13 ist eine Rechtskurve und liegt in einer Senke.

Im Trockenen bremst man kurz an, schaltet in den vierten Gang zurück, lenkt ein und geht sofort wieder ans Stützgas – beziehungsweise beginnt leicht zu beschleunigen, um möglichst viel Schwung für die folgende Steigung mitzunehmen.

Wer schon einmal im Nassen unterwegs war, weiß: Dafür braucht man entweder sehr viel Gefühl in der Gashand – oder eine sehr gut funktionierende Traktionskontrolle. Und vor allem Grip.

Traktionskontrolle hatte ich keine.
Grip auch nicht.

Genau in dem Moment, in dem ich das Gas anlegte, war das Hinterrad weg.
Ohne Ankündigung. Ohne Vorwarnung. Ohne auch nur die kleinste Chance zu reagieren.

Ich rutschte vor dem Motorrad her in Richtung Kiesbett. Besonders schnell kann ich dabei nicht gewesen sein – bis ins Kies bin ich nicht gekommen. Nicht, dass das wünschenswert gewesen wäre.

Man hat übrigens erstaunlich viel Zeit zum Fluchen, wenn man so vor sich hin rutscht.

Nachdem ich zum Stillstand gekommen war, stand ich auf und hob das Motorrad auf. Nach kurzer nonverbaler Rücksprache mit dem Streckenposten auf der anderen Seite der Strecke, einmal Zündung aus und wieder an – um den Crash-Sensor zurückzusetzen – ging es auf eigener Achse zurück ins Fahrerlager.

Wenigstens blieb mir der Schandkarren erspart.

 

 

Nachdem ich wieder am Pavillon angekommen war, Papa kurz erklärt hatte, was passiert war, und mich etwas beruhigt hatte, begannen wir mit der Schadensaufnahme.

Ein Schraubenkopf an der Verkleidung war unbrauchbar, die Lackierung hatte etwas gelitten, der Kupplungsdeckel war angeschliffen, aber noch dicht.
Das rechte Lenkerendengewicht liegt bis heute vermutlich noch irgendwo dort herum, die Kunststoffhülse des Gasgriffs war mehrfach gebrochen und die Fußrastenanlage auf der rechten Seite leicht verbogen.

Alles in allem nicht schön, aber noch fahrbar.

Als wir gerade dabei waren, die Verkleidung wieder zu montieren, ertönte plötzlich ein lautes schleifendes Geräusch, gefolgt von einem dumpfen Einschlag.

In der langen Linkskurve hinter dem Fahrerlager hatte es jemand geschafft, so abzusteigen, dass das Motorrad nach innen gegen die Leitplanke rutschte.

Es folgte die erste von vielen Rotphasen an diesem Tag. Dem Fahrer ging es soweit gut – dem Motorrad offensichtlich eher weniger.

 

Auf der Rennstrecke ist nicht die Frage ob, sondern wann man absteigt. Diese Erfahrung sollte an diesem Tag nicht nur ich machen.
Ich war lediglich der Erste, der die Strecke vermessen hat.

Und ich bin zuweilen recht stur. Um jetzt einzupacken, hatte ich bei der Anmeldung schlicht zu viel Geld ausgegeben.

Körperlich hatte ich nichts abbekommen – abgesehen von einem leichten Ziehen in der linken Schulter, das entweder vom Sturz selbst oder vom Aufheben des Motorrads herrührte. Also wollte ich weiterfahren.
Das ist ja ohnehin die Empfehlung von so ziemlich jedem: Nach einem Sturz möglichst schnell wieder aufs Motorrad steigen, um zu verhindern, dass der Kopf irgendwelche Blockaden aufbaut.

Gleichzeitig war mir klar, dass ein weiterer Versuch mit den aktuellen Reifen unter diesen Bedingungen eher früher als später wieder genauso enden würde.
Im Trockenen hatten die Diablo Rosso Corsa für meine Fähigkeiten mehr als genug Grip – dafür sahen sie inzwischen auch aus wie Semi-Slicks. Für die Heimfahrt auf der Landstraße reicht das.

Auf der Rennstrecke fährt man jedoch meist schneller und schräger. Auch bei Nässe. Zumindest dann, wenn man nicht gerade in der Einsteiger-Fahrschulgruppe unterwegs ist.

Also stapfte ich kurzerhand zum Reifendienst und fragte nach, ob sie noch einen passenden Satz Regenreifen für mich hätten.

Hatten sie.
Kostenpunkt: 560 Euro, zuzüglich Montage.

Ich dachte kurz, ich hätte mich verhört. Ich wollte schließlich nicht den ganzen Stand kaufen, sondern lediglich zwei Reifen.

Half aber alles nichts. Rennreifen mit einem sehr speziellen Einsatzgebiet – vermutlich müssen die so teuer sein.
Also wieder zurück zum Pavillon, Räder ausbauen.

Mit Montage 580 Euro ärmer bereitete ich mich langsam auf den nächsten Versuch vor.

Mittlerweile regnete es in unterschiedlichen Abständen unterschiedlich stark – aber im Grunde mehr oder weniger pausenlos. Laut Wetterbericht war eine Besserung frühestens für den nächsten Tag zu erwarten. Wenn überhaupt.

Kleiner Tipp am Rande: Regenreifen werden nicht vorgeheizt.
Bei nassen Bedingungen tastet sich jeder Fahrer langsam an das Limit heran. In dieser Zeit kühlt der Reifen allerdings aus – etwas, das man nicht unbedingt sofort merkt. Die Konsequenz ist dann oft dieselbe wie bei mir zuvor mit den Diablo Corsa.

Außerdem bekam ich noch den Hinweis, dass es kein Fehler sei, die Reifen im Fahrerlager wenigstens grob anzufahren.

Papa musste unterdessen noch einmal zurück nach Freiberg. Wenn ich also wieder rausfahren wollte, dann nur so, dass tatsächlich nichts passiert.

Ich drehte ein paar Runden durch das Fahrerlager und ging noch einmal in mich. Zwischendurch fiel mir ein Pärchen auf: Die Frau saß offensichtlich zum ersten Mal auf einem Motorrad, der Typ gab Anweisungen. Keine sonderlich hilfreichen, so wie es aussah. Aber wer bin ich schon, das zu bewerten?

Ich entschied mich, wieder auf die Strecke zu fahren.

Ein richtiges Gefühl für die Front hatte ich immer noch nicht und achtete nun penibel darauf, das Motorrad aufzurichten, bevor ich ans Gas ging. Zumindest bis zur zweiten fliegenden Runde.

Dort kam jemand aus der Boxengasse auf die Strecke. Aufgrund des freien Fahrens – und weil ich selbst bisher kaum Zeit gehabt hatte, mich mit dem restlichen Fahrerfeld zu befassen – konnte ich nicht einschätzen, ob er schneller oder langsamer war als ich.

Am Ausgang von Kurve zwei war ich dann etwas überambitioniert am Gas. Wie sich zeigte, hatte ich den Reifen noch nicht richtig angefahren.

Erst gab es eine Menge Schlupf – und dann plötzlich wieder Grip.
Hätte ich in diesem Moment das Gas geschlossen, wäre ich vermutlich per Highsider abgestiegen. So hob es mich nur kurz aus dem Sattel.

Ich brauchte einen Moment, um mich zu sammeln, fuhr dann aber weiter.
Ich sag ja: stur.

 

 

Nach dem Ende des Turns überlegte ich kurz ob ich direkt weiterfahren sollte, Entschied mich aber erstmal eine Pause einzulegen. Dank der Runden die gefahren war. War ich beinahe Automatisch für das 600er  Rennen Qualifiziert. Wie sich herausstellte, hatten sich gerade einmal 14 600er auf die Strecke getraut. Mit meiner 2:28 hatte ich souveräne den letzten Startplatz ergattert. Während ich Kaffeetrinkend an der Anmeldung Stand, viel mir der Typ von vorhin auf. Der Wollte zwei Leibchen haben, um seiner Freundin ein bisschen die Strecke zu zeigen. Mir schwante Böses.  

Rennfahrer

Meine Qualifikationszeit war im Übrigen schneller als die ersten drei Turns im Vorjahr.

Bevor ich mein nächstes „erstes Mal“ abhaken konnte, waren allerdings erst einmal die beiden 1000er-Rennen dran.
Ich setzte mich ins Auto, ließ die Heizung laufen, schaute zu – und dachte über den Start nach.

Mein erstes Rennen.
Und dann gleich ein stehender Start.

Ich nahm mir vor, einfach normal loszufahren. Besonders bei stehenden Starts wird die erste Kurve eng. Von hinten konnte mich niemand mehr überholen.
Sollen die anderen versuchen, das Rennen in Kurve 1 zu gewinnen.
Ich würde auf Konstanz setzen und die Scherben aufsammeln.

Soweit zur Taktik.

Frei nach Jonathan Rea, seines Zeichens sechsmaliger Superbike-Weltmeister:

„Was haben die Leute mit ihren Schlachtplänen? Die funktionieren nur bis zum ersten Feindkontakt.“

Bei der Fahrerbesprechung hieß es, man solle sich beim zweiten Aufruf bereithalten.
Nach dem dritten und letzten habe man zwei Minuten Zeit, um auf die Strecke zu fahren. Wer das verpasst, darf zusehen.

Ich war ohnehin nervös bis in die Haarspitzen.

Mit dem zweiten Aufruf zog ich mich an und ließ den Motor warmlaufen.
Mit dem dritten fuhr ich in die Boxengasse.

Und dann stand ich da.

Bis heute weiß ich nicht warum, aber niemand wurde auf die Strecke gelassen.
War in den letzten Runden des zweiten 1000er-Rennens noch etwas passiert?
Hatten sich die Organisatoren vertan und zu früh aufgerufen?

Während ich wartete, wurde ich so nervös, dass ich ernsthaft damit beschäftigt war, im Stand nicht einfach umzufallen.

Dann ertönte ein Signal.
Die Ampel sprang auf Grün.

Eine Runde zum Sammeln. Startplatz suchen. Probestart für die Warm-up-Lap.

Dafür läuft jemand vom Personal mit zwei Flaggen jede Reihe ab.
Zeigen die Flaggen nach unten, darf die Reihe starten.
Einfach loszufahren funktioniert zwar prinzipiell – aber dann ist der Rest vom Feld bereits unterwegs, bevor es um das Anbremsen in Kurve 1 geht.

Nach der Aufwärmrunde folgte der Rennstart.

Ab jetzt war ich offiziell Rennfahrer.

Rennen 1

Ein Tipp vorweg:
Im Gegensatz zum Straßenverkehr hat die Startampel auf der Rennstrecke nur eine Farbe.
Rot.

Es gibt kein „bei Grün losfahren“.
Wenn du jemals einen Rennstart machst: Warte bloß nicht auf Grün.

Es geht los, wenn das rote Licht ausgeht.
Nicht früher.
Nicht später.

Licht aus. Los.

Genau das habe ich versucht.

Rennstarts hatte ich allerdings nie geübt.
Und am Ende läuft es immer darauf hinaus:
Man kann nicht, was man nicht übt.

Verglichen mit den anderen legte ich eher ab, als dass ich losfuhr.
Entsprechend hatte ich erstmal zu tun, überhaupt wieder ans Feld heranzukommen.

Dass ich tatsächlich Stück für Stück näher kam, half mir, ruhig zu bleiben.
Runde für Runde.

In Runde sechs von sieben war ich am Vordermann dran.
Vor der letzten Kurve dann auch vorbei.

Die anderen zwölf waren längst außer Sicht.

Also galt für die letzte Runde:
Sitzen bleiben.
Keinen Fehler machen.
Nicht wieder herschenken.

Das Rennen war vorbei.
Ich war nicht Letzter geworden.
Im Nassen.

Ziel erreicht. 

 

Zurück in der Box hieß es erst einmal: Motorrad abstellen, den gröbsten Dreck entfernen und irgendwie versuchen, die Klamotten wieder trocken zu bekommen.

Mittlerweile war auch mein Papa zurück.

Kurze Auswertung.
Abendbrot.
Feierabend.

Mehr war an diesem Tag nicht mehr drin.

18.05.2024 Tag 2 Training

Da ich mich aufgrund des fehlenden Hubraums gegen das Zwei-Stunden-Rennen entschieden hatte, stand für mich reines Training auf dem Programm. Insgesamt vier Turns Fahrzeit.

Trotz der anhaltenden Nässe wurde wieder in Gruppen gefahren – also zumindest theoretisch etwas weniger Chaos.

Neu war außerdem, dass Gruppe C, also die langsamste Gruppe, diesmal als erste auf die Strecke durfte.

Schon im ersten Turn bestätigte sich, was ich am Vortag nur vermutet hatte:
Es lag nicht ausschließlich daran, dass ich ungern im Nassen fahre.

Ich hatte weiterhin kein Gefühl für die Front.
Und das sprach zunehmend dafür, dass die Einstellungen der Gabel schlicht nicht zu den Bedingungen passten. 

 

Letztendlich nahm ich das Angebot von SBK-Tech an und schilderte das Problem.
Die Erklärung war im Grunde ziemlich simpel:

Bei Nässe wirken geringere Kräfte auf das Fahrwerk.
Die Bremskräfte sind geringer, die Beschleunigung ist moderater und auch die Querkräfte in Schräglage fallen niedriger aus, weil schlicht weniger Grip vorhanden ist.

Entsprechend arbeitet das Fahrwerk insgesamt in einem kleineren Belastungsbereich.

Die Faustregel lautet:
So hart wie nötig, so weich wie möglich.
Im Regen gilt das ganz besonders.

Federn zu tauschen war weder praktikabel noch zwingend notwendig.
In meinem Fall reichte es aus, die Vorspannung zu reduzieren.
Dadurch verringert sich das Losbrechmoment, die Gabel spricht sensibler an und das Motorrad steht etwas tiefer im Federweg – was wiederum mehr Gefühl für die Front vermittelt. Was die Vorspannung ist, was man damit einstellen kann und welche Auswirkungen das auf das Fahrwerk hat erkläre ich später mal im Technik-Abschnitt. 

Direkt ab dem zweiten Turn fühlte ich mich deutlich sicherer.
Mehr Vertrauen, mehr Gefühl für die Front – und ich wurde schneller.

Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte: Dass jemand faktisch „Fahrschule“ auf der Rennstrecke betreiben würde.

Das Pärchen, das mir am Vortag schon aufgefallen war, war ebenfalls draußen unterwegs. Das Tempo war sehr niedrig, die Linienwahl unberechenbar. Einmal musste ich deutlich härter bremsen, als mir lieb war, um nicht aufzulaufen.

Mir ist bewusst, dass man auf der Rennstrecke keinen Führerschein benötigt.
Und grundsätzlich darf dort jeder fahren, der sich anmeldet.

Trotzdem bin ich der Meinung: Wer zum ersten Mal auf einer Rennstrecke unterwegs ist – unabhängig vom fahrerischen Niveau – sollte die Unterstützung eines professionellen Instruktors in Anspruch nehmen.

Nicht den Partner.
Nicht den Vater.
Nicht den Kumpel aus der Garage.

Sondern jemanden, der das regelmäßig macht und weiß, wie man Grundlagen strukturiert vermittelt.

Mit einem Instruktor ist man vielleicht nicht sofort schneller – aber berechenbarer.
Und Berechenbarkeit ist auf der Rennstrecke mindestens so wichtig wie Geschwindigkeit.

Bei dem besagten Pärchen war genau das das Problem: Es war nicht klar, wo sie hinwollten, wie sie bremsen oder wann und ob sie beschleunigen würden.
Und ich war nicht der Einzige, der davon irritiert war.

Bis zum letzten Turn wurde es langsam immer trockener.

Es folgte das Endurance-Rennen.
Pünktlich zwanzig Minuten nach dem Start begann es jedoch wieder richtig zu regnen.

Ich hatte also nichts verpasst.

Nachdem das Rennen schließlich abgewunken wurde, absolvierte ich meinen Trackwalk.

Diesmal alleine.

19.05.2024 Tag 3 Raceday

Über Nacht hatte es endlich aufgehört zu regnen.
Bis zum ersten Turn um 9:00 Uhr war deutlich zu erkennen, dass die Strecke begann abzutrocknen.

Fahrerisch war es zunächst in Ordnung.
Allerdings wurde schnell klar, dass es zu trocken wurde, um weiter mit Regenreifen zu fahren.

Regenreifen sind sehr speziell konstruiert.
Sie funktionieren bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen und sind darauf ausgelegt, möglichst viel Wasser zwischen Asphalt und Gummi zu verdrängen.

Sobald die Strecke trocknet, steigen allein durch die höhere Reibung die Temperaturen im Reifen stark an. Auf einer vollständig trockenen Strecke würde ein Regenreifen schlichtweg überhitzen – im schlimmsten Fall regelrecht verglühen.

Mit diesem Wissen war klar:
Den letzten Turn vor dem zweiten Rennen würde ich damit verbringen, wieder auf die Straßenreifen zurückzuwechseln.

Auch das Fahrwerk drehten wir wieder zurück auf die Trockeneinstellungen.
Mehr Vorspannung, etwas mehr Dämpfung – und dann hieß es warten.

Der letzte Turn war gelaufen.
Als nächster Programmpunkt stand das erste der beiden Superbike-Rennen an.

Auffällig war, wie voll das Starterfeld plötzlich wirkte.
Keine Ahnung, wo die ganzen Leute hergekommen waren. Soweit ich es verstanden hatte, konnte man sich nur am ersten Tag für die Rennen qualifizieren. Vielleicht hatte ich da aber auch einfach etwas missverstanden.

Um das 600er-Rennen machte ich mir hingegen keine Sorgen.
Dort sind traditionell weniger Starter unterwegs. 

Mit der Erfahrung von Tag 1 ließ ich mir diesmal etwas mehr Zeit, um zur Boxengasse zu fahren. Nervosität hatte ich noch genug – Hektik brauchte ich nicht zusätzlich.

Dort angekommen staunte ich nicht schlecht.
Wo kamen plötzlich die ganzen Motorräder her?

Beim Start der Sighting Lap – also der Runde, um in die Startaufstellung zu gelangen – waren mindestens doppelt so viele Bikes unterwegs wie am Vortag. Und es gab eine andere Startaufstellung.

Nur hatte es offenbar niemand für nötig gehalten, alle Beteiligten darüber zu informieren.

Mein Startplatz – oder zumindest der Platz, von dem ich ausging, dass er meiner sei – war besetzt.

Da ich nicht wusste, wo ich starten sollte, stellte ich mich einfach hinten an. 

Mit den nahezu perfekt durchorganisierten Prozeduren aus dem Fernsehen hatte das hier offenbar wenig zu tun.

Viel Zeit, mich darüber zu ärgern, blieb allerdings nicht.
Das Rennen startete.

Im Laufe der Runden konnte ich ein paar Positionen gutmachen.
Wurde allerdings auch zweimal überrundet.

Das irritierte mich mehr, als ich mir eingestehen wollte.
In der letzten Runde machte ich beim Anbremsen Ende Start/Ziel einen Fehler.

Bei jedem Zwischengasstoß zum Herunterschalten lupfte ich die Bremse.
Dadurch verlängert sich nicht nur unnötig der Bremsweg – das Motorrad beginnt durch den ständigen Gewichtstransfer regelrecht zu schaukeln.

Statt stabil in die Kurve zu bremsen, schaukelte ich das Fahrwerk auf.

Ich ging geradeaus.
Zum zweiten Mal in drei Tagen stand ich im Kiesbett.

Ich fuhr das Rennen noch zu Ende.
Letzter wurde ich nicht.

Mit Ruhm habe ich mich allerdings auch nicht bekleckert.

Abhaken.
Zwei Turns waren noch zu fahren.

 

IInteressanter als die 2:06, die ich nun wiederholt fahren konnte – und damit immerhin eine Sekunde schneller als bei meinem ersten Training in Most – war allerdings etwas anderes.

Mein neuer Nachbar im Fahrerlager.

Patrick Hobelsberger, seines Zeichens IDM-Fahrer, damals unterwegs für das GERT56-Team, erschien am Nachmittag und fuhr die letzten beiden Turns des Tages mit.

Und war sichtlich schneller als alles, was bis dahin als „schnell“ durchgegangen war.

Sehr viel schneller. Und mehr als 30 Sekunden schneller als ich. 

 

Die Gabel funktionierte.

Und gerade als ich begann, mich wieder halbwegs wohlzufühlen, war das Event vorbei.

Brno würde interessant werden.

Und für den Trackday im Herbst nahm ich mir vor, meine Rechnung in Most zu begleichen.

Mit einem anderen Veranstalter.

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